Info für Presse · 1014 days ago

Kurz nach Sonnenuntergang auf der Veranda und nachts im Club

“Es gab schon Momente, in denen mir der Gedanke kam, dass eine eher elektronische Ästhetik vielleicht hipper sein könnte”, sagt Tom Krimi, “zumal die Geräte dazu hier stehen und ich lange genug mit Loops und elektronischen Beats gearbeitet habe.” Doch gleich darauf stellt er fest: “Ich kenne kaum Produktionen, bei denen die Verbindung von akustischen Instrumenten und Elektronik nach 10 Jahren immer noch so reizvoll klingt wie zu der Zeit, als sie entstanden ist.”

Enthusiastisch hält Tom Krimi ein Plädoyer für “klassische” Songs ohne Verfallsdatum. Gitarren sind eben nie out, dagegen klingen Drum-Machines vergangener Dekaden irgendwann hoffnungslos aus der Zeit gefallen. Tom Krimi bringt das Problem auf eine einfache Formel: “Wer elektronische Geräte anschaltet knipst mit dem Zeitgeist gleichzeitig die Uhr an.”

Der gelernte Gitarrist und Pianist aus Berlin weiß, wovon er spricht. In den letzten Jahren hat er unter dem Namen Stereo Deluxe zusammen mit dem DJ Kassi und coolen Dancefloor-Produktionen international Erfolge gefeiert. Davor spielte Tom Krimi in diversen Bands nahezu alles zwischen Rock, experimenteller Musik und Freejazz. Einige dieser unterschiedlichen Erfahrungen fließen nun, eher sublim als klar identifizierbar, in Krimis eigene Lieder ein. Lieder, die vor allem tiefe Liebe zum ausgefeilten Songwriting verraten. Eine Liebe mit alten, unzerbrechlichen Wurzeln. Als “Kind einer kulturell besetzten Zone” wuchs Tom Krimi in Bremen mit jenem anglo-amerikanischem Pop und Rock auf, den vor allem der britische Soldatensender BFBS ins heimische Wohnzimmer funkte. Bis heute ist Tom Krimi erklärter Fan von Elvis Costello, ehe der sich an den amerikanischem Glamour verlor, oder der US-Band The Eels. “Costello führt einfach die Tugenden der Beatles weiter in die heutige Zeit”, erklärt Tom Krimi seine Verehrung, “und bei The Eels berührt mich die Farbigkeit und Tiefe, obwohl die Songs in ihrer Grundsubstanz relativ schlicht gestrickt sind.”

Ganz so einfach will es Tom Krimi indes weder sich selbst noch seinem Publikum machen. Der plakativ-anarchische Dilettantismus des Punk war nämlich nie sein Ding. Konsequent pendeln die Songs von Krimis Album “Lights Off” zwischen eingängigen Melodien und suggestiven Klängen, folk- oder bluesgetränkten Momenten und beinahe filmischen Atmosphären. Fragile Passagen flirten mit eleganten Streichern, Folk-Pickings, sparsamen Keyboards, zartem Glockenspiel oder klagenden Slide-Melodien. In ruppigrockigen Ausbrüchen übernehmen dagegen prägnante Riffs und flirrende Solos couragiert die Führung. Die geheimnisvolle Stimmung mancher Songs wird durch Tom Krimis charakteristischen Gesang verdichtet, der mal anheimelnd intim, mal fahl durch die Stücke geistert.

Als nachdenklicher Poet pendelt Tom Krimi in seinen Texten zwischen Ironie und Grübelei. Szenischen Beobachtungen merkt man Krimis Liebe zu skurrilen Figuren an, manche tagebuchartigen Gedanken offenbaren auch persönliche Seelentücken des Künstlers.

Zweifellos begeistert sich Tom Krimi eher für hintergründiges. “Stücke, die mit vier Akkorden auskommen, finde ich schon attraktiv”, meint er, “aber wenn ich sie einige Male gehört habe drohen sie langweilig zu werden und ich denke, dass da mindestens noch zwei weitere Akkorde gut reinpassen würden.” Ebenso wie harmonische Abwechslung liegt Tom Krimi die mitunter überraschende Dynamik der Arrangements am Herzen, die sich insbesondere live, aber auch auf dem Album offenbart.

Es ist genau diese subversive Vielfalt, die Tom Krimi motivierte, nach all den Jahren endlich ein Solo-Album aufzunehmen. “Wenn ich allein zuhause arbeite kann ich jedes Mal, wenn ein Klischee um die Ecke biegt, sofort dagegen vorgehen – in einer Band mit ihrer demokratischen Interessens- und Konsens-Struktur ist das weit schwieriger.” Die Kontinuität von Tom Krimi basiert eben nicht auf einem bestimmtem Sound, sieht man mal vom luftigen Gesang ab, sondern auf verschiedenen Facetten, die einem erfahrenen Künstler inne wohnen. Selbst wenn das den Hörer mitunter irritieren mag. Der Effekt ist gewollt und macht den Stilwillen, die persönliche “Corporate Identity” Tom Krimis aus.